Autor/in: Andrea Maria Schenkel
Genre: Krimi
Seitenzahl: 171 Seiten
«Die Bewohner eines einsam gelegenen Hofes werden erschlagen aufgefunden. Eigenbrötler sollen sie gewesen sein, bauernschlau und geizig. Nun wurde die ganze Familie in einer Nacht ausgelöscht, mit der Spitzhacke geradezu niedergemetzelt. Der Leser wird Zeuge eines Verbrechens, das auf einem authentischen Fall beruht, und begleitet jeden Schritt des Mörders, ohne dessen Identität zu kennen. Die einzelnen Dorfbewohner berichten, jeder hat eine eigene Version des Geschehenen. Unheimlich wird es, weil man jeden Schritt des Täters mitverfolgt, ohne aber zu wissen, wer er ist ...» x Buchinnenseite
5 Gründe, «Tannöd» zu lesen:
x x-verschiedene Erzähler + super Erzählstimmen
x gruselige Atmosphäre
x Aufbau und Erarbeitung des Geheimnisses
x kurze Lesedauer
x schlüssige Story
5 Gründe, «Tannöd» nicht zu lesen:
x verhältnismäßig langer Einstieg
x überflüssige Kapitel
x zu einfach zu lesen
x fehlende Überraschung den Mörder betreffend
x eingeschobene Psalmen, Kirchenlieder, Gebete
Meine Meinung:
Ein wirklich außergewöhnliches Buch.
Es gibt keinen fixen Erzähler, in jedem Kapitel erzählt ein anderer Dorfbewohner, was er weiß und das immer so, als spräche er direkt mit einem. Vollkommen umgangssprachlich, mal mit mehr Dialekt, mal beinahe perfektes Hochdeutsch, mal mit unfeinen Ausdrücken oder den Wiederholungen einer etwas vergesslichen alten Dame ... Beim Lesen muss man sich überlegen, welche Informationen man wirklich wichtig findet und so setzt sich Kapitel für Kapitel, von Person zu Person wechselnd das Geheimnis um die Morde zusammen.
Ein anderer guter Schachzug der Autorin war, auch dem Mörder so eine Stimme zu geben. Hier ging es nicht darum, Verständnis beim Leser zu wecken, es gab keine Erklärungsversuche seitens des Mörders, man hat nur miterlebt, was er den Tag/die Nacht über so treibt. Wirklich gruselig, vor allem weil am Anfang des Buches die Morde noch nicht geschehen sind.
Ich muss sagen, dass das kein Krimi war, bei dem ich ständig am mitraten war, wers denn nun ist, aber ich bin trotzdem recht einfach darauf gekommen. Das ist ein kleiner Minuspunkt, man kann einfach nur wenige Verdächtige erkennen.
Einige Anfangskapitel hätte man sich schlicht und einfach schenken können, doch bei der geringen Lesezeit ist das auch nicht weiter schlimm. Das Buch spielt in einem bayrischen Dorf, schon klar, da hat Glaube einen gewissen Stellenwert, aber aus den eingeschobenen Psalmen usw. konnte ich mir keinen Reim machen, habe ich auch einfach überlesen.
Doch Frau Schenkel hält über die fast 200 Seiten eine unheimliche Spannung aufrecht, sehr düster, sehr geschickt geschrieben.
XXXX/5