Samstag, 26. Mai 2012

x Tannöd


Autor/in: Andrea Maria Schenkel
Genre: Krimi
Seitenzahl: 171 Seiten

«Die Bewohner eines einsam gelegenen Hofes werden erschlagen aufgefunden. Eigenbrötler sollen sie gewesen sein, bauernschlau und geizig. Nun wurde die ganze Familie in einer Nacht ausgelöscht, mit der Spitzhacke geradezu niedergemetzelt. Der Leser wird Zeuge eines Verbrechens, das auf einem authentischen Fall beruht, und begleitet jeden Schritt des Mörders, ohne dessen Identität zu kennen. Die einzelnen Dorfbewohner berichten, jeder hat eine eigene Version des Geschehenen. Unheimlich wird es, weil man jeden Schritt des Täters mitverfolgt, ohne aber zu wissen, wer er ist ...» x Buchinnenseite

5 Gründe, «Tannöd» zu lesen:

x x-verschiedene Erzähler + super Erzählstimmen
x gruselige Atmosphäre
x Aufbau und Erarbeitung des Geheimnisses
x kurze Lesedauer
x schlüssige Story   

5 Gründe, «Tannöd» nicht zu lesen: 

x verhältnismäßig langer Einstieg
x überflüssige Kapitel  
x zu einfach zu lesen
x fehlende Überraschung den Mörder betreffend
x eingeschobene Psalmen, Kirchenlieder, Gebete


Meine Meinung:

Ein wirklich außergewöhnliches Buch.
Es gibt keinen fixen Erzähler, in jedem Kapitel erzählt ein anderer Dorfbewohner, was er weiß und das immer so, als spräche er direkt mit einem. Vollkommen umgangssprachlich, mal mit mehr Dialekt, mal beinahe perfektes Hochdeutsch, mal mit unfeinen Ausdrücken oder den Wiederholungen einer etwas vergesslichen alten Dame ... Beim Lesen muss man sich überlegen, welche Informationen man wirklich wichtig findet und so setzt sich Kapitel für Kapitel, von Person zu Person wechselnd das Geheimnis um die Morde zusammen.

Ein anderer guter Schachzug der Autorin war, auch dem Mörder so eine Stimme zu geben. Hier ging es nicht darum, Verständnis beim Leser zu wecken, es gab keine Erklärungsversuche seitens des Mörders, man hat nur miterlebt, was er den Tag/die Nacht über so treibt. Wirklich gruselig, vor allem weil am Anfang des Buches die Morde noch nicht geschehen sind.

Ich muss sagen, dass das kein Krimi war, bei dem ich ständig am mitraten war, wers denn nun ist, aber ich bin trotzdem recht einfach darauf gekommen. Das ist ein kleiner Minuspunkt, man kann einfach nur wenige Verdächtige erkennen.
Einige Anfangskapitel hätte man sich schlicht und einfach schenken können, doch bei der geringen Lesezeit ist das auch nicht weiter schlimm. Das Buch spielt in einem bayrischen Dorf, schon klar, da hat Glaube einen gewissen Stellenwert, aber aus den eingeschobenen Psalmen usw. konnte ich mir keinen Reim machen, habe ich auch einfach überlesen.

Doch Frau Schenkel hält über die fast 200 Seiten eine unheimliche Spannung aufrecht, sehr düster, sehr geschickt geschrieben.

XXXX/5

Dienstag, 15. Mai 2012

x Ashes, Ashes


Autor/in: Dorothee Hantjes unter dem Pseudonym Jo Treggiari
Genre: Dystopie
Seitenzahl: 400 Seiten

«Tödliche Epidemien, Tsunamis und Klimakatastrophen - die sechzehnjährige Lucy hat das Ende der Welt kommen und gehen gesehen. Als eine der wenigen Überlebenden eines alles vernichtenden Virus versucht sie sich in den zum Dschungel gewordenen Ruinen von New York durchzuschlagen. Doch Lucys Welt ist voller Bedrohungen: gefährliche Diebe und skrupellose Plünderer streifen umher. Als eine Horde wilder Hunde sie jagt, gelangt sie ans Ende ihrer Kräfte. Doch wie aus dem Nichts taucht Aidan auf - ein Junge, der ihr hilft, der tödlichen Meute zu entkommen und sie überredet, sich seiner Gruppe von Überlebenden anzuschließen. Aber auch diese kleine Gemeinschaft wird bedroht. Und langsam beginnt Lucy zu ahnen, dass sie selbst das Ziel der nächtlichen Überfälle ist. Etwas an ihr scheint anders zu sein ... Doch was ist Lucys Geheimnis, das für die letzten überlebenden Menschen Bedrohung und Erlösung zugleich ist?»Amazon Kurzbeschreibung

5 Gründe, «Ashes, Ashes» zu lesen:

x stark dezimierte Bevölkerung, ständige Katastrophen ... Dystopie halt!
x herzige, unterhaltende – wenn auch übertrieben gezeichnete – Nebencharaktere
x die Frage danach, was Lucy so besonders macht, S'ans und Sweeper
x schnelle Lesezeit
x Seite 201: Henry eilte ihr zu Hilfe. Er Kam Lucy immer wie ein junger Hund vor. Wenn er einen Schwanz gehabt hätte, hätte er damit gewedelt. :D

5 Gründe, «Ashes, Ashes» nicht zu lesen:

x Lucy als Protagonistin
x tell-lastiger Schreibstil
x fehlende Spannung
x offene Fragen und Logiklücken
x zu wenig Hintergrund


Meine Meinung: 

Ich habe von dem Buch nicht sonderlich viel erwartet und wurde dementsprechend auch nicht enttäuscht. Die Idee des Buches, eine beinahe menschenverlassene, zerstörte Welt, die weiterhin von Naturkatastrophen gebeutelt wird, in der es nur noch um das nackte Überleben geht, immer mit einem grausamen Virus im Rücken – genial! Wie das Ganze verarbeitet wurde, dazu jetzt mehr …

Man steigt in das Buch ein als Lucy Holloway damit beschäftigt ist, eine Schildkröte zu zerlegen. Ein clever gewählter Einstieg, man weiß gleich, worum es geht. Wie hart das Leben geworden ist, wird dem Leser augenblicklich klar, da sollte man Mitleid mit der Kleinen haben, richtig? Wollte sich bei mir aber nicht einstellen, weil ich ihr Verhalten absolut nicht verstehen konnte.
Sie stolpert durch die Gegend, zerdeppert bei diversen Wutanfällen einfach alles, was ihr in den Weg kommt (Überlebensbuch? Ach, wer braucht so was schon!) und setzt sich zum Ruhen in ihren Unterschlupf, obwohl sie genau weiß, dass es wichtig ist, dass sie jetzt weiter macht und das eigentlich auch könnte … erster Minuspunkt, für das Mädchen konnte ich einfach keine Sympathie entwickeln.
Dann kommt erst einmal ein gaaanz langer Teil darüber, was für ein Leben sie denn früher gelebt hat. Was für eine Außenseiterin sie in der Schule war, wie sie ihr Verhältnis zu ihren Eltern und Geschwistern sah – ich habe nur noch auf einen Satz dieser Art gewartet: «Lucy Holloway strich sich eine ihrer schwarzen, störrischen Strähnen aus dem blassen Gesicht, dessen 17-jährige Haut mal wieder eine Dusche vertragen könnte.» Ich glaube es ist klar geworden, was ich meine, das hat meine Leselust getrübt, merklich.
Lucys störrische und für mich unnachvollziehbare Art zieht sich durch das komplette Buch, als sie bspw. Aiden kennenlernt, überlegt sie ernsthaft ihn abzustechen – er hat ihr ja nur gerade das Leben gerettet und flirtet sogar mit ihr. Was ist los mit dem Mädchen?, frage ich mich da. Diese Fragen verschwinden im Laufe des Buches nicht, also wechsele ich hier das Thema.
Das Buch lässt sich wirklich schnell lesen, aber ich muss sagen, dass es mir zu tell-lastig geschrieben war. Emotionen kommen so schwerer beim Leser an, für mich hat sich zu keinem Zeitpunkt Spannung aufgebaut und diese einfachen Schilderungen dessen, was passiert, garniert mit den Gedanken einer wechselhaften Hauptprotagonistin haben mich ermüden lassen.
Was ich wirklich vermisst habe, waren mehr Informationen zu der ganzen Situation. Lucys Leben wird zwar mit sämtlichen Stationen recht ausführlich dargelegt, aber das ist für das Buch vollkommen irrelevant. Ich hätte mich über mehr Informationen – oder auch Mutmaßungen! - über den Virus gefreut, gerne gewusst, wie es dort ist, wo nicht New York ist usw. usf. Wenn man das erwartet, dann sollte man die Finger von «Ashes, Ashes» lassen, überhaupt darf man nicht zu wissbegierig sein, denn die im Klappentext gestellte Frage danach, was Lucys Blut so besonders macht … wird einfach nicht beantwortet.

Aber, das muss auch betont werden, das Buch ist nicht unbedingt schlecht.
Wer sich mit Lucy arrangieren kann, damit, dass Aiden manchmal gebräunte Haut hat und manchmal blass ist, damit, dass die S'ans und Sweeper doch nicht so mysteriös sind, der kann Spaß haben. Unterhalten tut das Buch auf jeden Fall. Es ist so stereotypbeladen, dass es schon wieder cool ist. Der hübsche Frauenheld, die sture Schöne, die führende Alte, eine irre Doktorin, … 

XX/5